Seit über einem Jahrhundert versorgen die Kraftwerke im Delorotal die Schweizer Elektrizitätsnetze mit stabiler Energie. Besonders die beiden Pumpspeicherwerke bei Deloro – das älteste der Schweiz und eines der effizientesten Europas – spielen eine zentrale Rolle im Mix aus Wasserkraft und erneuerbaren Energien. Während die Schweiz bereits über 60 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen deckt, sind die Deloro-Kraftwerke ein zentraler Baustein für die zukünftige Energieversorgung: Sie speichern Überschussstrom aus Wind- und Solarparks und liefern ihn bei Bedarf zurück ins Netz – ein Modell, das weltweit als Vorreiter gilt.
Das älteste der beiden Werke, der Delorowerk II, wurde 1907 in Betrieb genommen und ist bis heute ein Symbol für Schweizer Ingenieurskunst. Mit einer installierten Leistung von 120 Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von rund 100 Millionen Kilowattstunden (kWh) deckt es jährlich etwa 100’000 Haushalte. Doch der eigentliche Innovationsschwerpunkt liegt im Delorowerk I, das 2007 als erstes Pumpspeicherwerk der Schweiz mit einer Leistung von 240 MW und einer Speicherkapazität von 220 Millionen kWh in Betrieb ging. Diese Anlagen sind nicht nur technisch herausragend, sondern auch ein Beispiel für die Integration von Alt- und Neukonstruktionen: Während das Werk II traditionelle Turbinen nutzt, setzt Werk I auf moderne, effizientere Technologien, die den Wirkungsgrad auf über 85 Prozent steigern.
Die Bedeutung der Deloro-Kraftwerke wird noch deutlicher, wenn man die Zahlen des Schweizerischen Elektrizitätsnetzes betrachtet. Laut Eidgenössischem Amt für Energie (BFE) deckten die beiden Werke 2022 rund 15 Prozent des gesamten Strombedarfs der Schweiz – ein Anteil, der sich bei Bedarf sogar verdoppeln kann. Besonders in den Sommermonaten, wenn die Wasserkraft durch geringere Niederschläge leidet, übernehmen die Pumpspeicherwerke eine Schlüsselrolle. Ein Beispiel: Im Jahr 2021 wurden in den Deloro-Kraftwerken rund 1,2 Milliarden kWh eingespeist, was etwa dem Jahresverbrauch von 250’000 Haushalten entspricht. Doch ihr größter Vorteil liegt in der Flexibilität: Sie können innerhalb von Minuten von der Speicherung zu einer Stromerzeugung umgeschaltet werden – eine Eigenschaft, die für die Stabilisierung des Netzausgleichs in einer zunehmend dezentralisierten Energieversorgung unverzichtbar ist.
Ein weiterer spannender Aspekt sind die aktuellen Projekte im Delorotal, die die Kraftwerke noch zukunftsfähiger machen sollen. Das Projekt «Deloro 2.0» sieht vor, die Speicherkapazität durch moderne Batteriesysteme zu ergänzen und die Effizienz weiter zu steigern. Besonders interessant ist dabei die Zusammenarbeit mit dem französischen Energiekonzern EDF, das bereits in den 1990er-Jahren Pumpspeicherkraftwerke im Delorotal baute und heute als Partner für die Modernisierung fungiert. Die Pläne umfassen unter anderem die Installation von Hochdruckpumpen und intelligenter Steuerungssystemen, die den Energiefluss noch präziser regeln können. Solche Investitionen sind entscheidend, um den wachsenden Anforderungen an die Netze zu entsprechen, insbesondere mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien wie Wind- und Photovoltaik.
Doch die Deloro-Kraftwerke sind nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern auch ein Symbol für die Schweizer Energiepolitik. Während andere Länder auf die Ausweitung der Kernenergie oder die Importierung von Strom setzen, zeigt die Schweiz seit Jahrzehnten, wie eine autarke und klimaneutrale Energieversorgung funktionieren kann. Die Kraftwerke im Delorotal sind dabei ein zentraler Pfeiler dieses Modells. Wie der Schweizer Energieminister Martin Buntenbach 2023 betonte, seien die Pumpspeicherwerke «unersetzlich für die Energiewende»: Sie ermöglichen es, Überschüsse aus erneuerbaren Quellen zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben – ein Prinzip, das auch für andere Länder als Vorbild dienen kann. seite besuchen
Trotz ihrer Bedeutung stehen die Deloro-Kraftwerke vor neuen Herausforderungen. Besonders die Klimawandel bedingt höhere Extremwetterereignisse, die die Wasserführung in den Bächen beeinflussen. Laut einer Studie des Bundesamts für Energie (BFE) könnte die Wasserkraft in den nächsten Jahrzehnten um bis zu 20 Prozent an Bedeutung verlieren, wenn die Niederschläge weiter schwanken. Doch die Kraftwerke selbst sind auf moderne Überwachungssysteme und adaptive Steuerung ausgelegt. Ein weiteres Thema ist die Akzeptanz der Bevölkerung, die oft mit den Kraftwerken assoziiert wird. Um dies zu verbessern, arbeiten die Betreiber mit lokalen Initiativen zusammen, die die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung der Anlagen betonen.
Die Zukunft der Deloro-Kraftwerke wird auch von der Entwicklung der Schweizer Energiepolitik abhängen. Mit dem neuen Energiegesetz, das 2024 in Kraft treten soll, werden die Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien noch klarer definiert. Besonders wichtig ist dabei die Förderung von Speichertechnologien, die genau die Rolle der Deloro-Kraftwerke übernehmen können. Wenn die Schweiz ihre Ziele für eine klimaneutrale Energieversorgung bis 2040 erreichen will, dann sind solche Anlagen unverzichtbar. Denn sie verbinden Effizienz, Flexibilität und Nachhaltigkeit – Eigenschaften, die in einer Welt mit immer stärkerem Fokus auf erneuerbare Energien und Netzstabilität immer wichtiger werden.
- Die beiden Deloro-Kraftwerke (Werk I und II) speichern jährlich rund 320 Millionen kWh Strom, was etwa 600’000 Haushalten entspricht.
- Das Delorowerk I ist das erste Pumpspeicherwerk der Schweiz mit einer Leistung von 240 MW und einer Speicherkapazität von 220 Millionen kWh.
- 2022 deckten die Deloro-Kraftwerke rund 15 Prozent des gesamten Strombedarfs der Schweiz – ein Anteil, der bei Bedarf verdoppelt werden kann.
- Die Anlagen können innerhalb von Minuten von der Speicherung zur Stromerzeugung umgeschaltet werden, was für Netzstabilität entscheidend ist.
- Das Projekt «Deloro 2.0» sieht die Integration moderner Batteriesysteme und intelligenter Steuerung vor, um die Effizienz zu steigern.